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Rosenkranz
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Der trostreiche Rosenkranz

1. Geheimnis: Jesus, der als König herrscht

Das Bild des Königs ist uns fremd. Wir kennen es aus irgendwelchen Museen oder allenfalls aus einigen Staaten weit weg, wo der König noch etwas zu sagen hat. Es erinnert uns an Pracht und Glanz, an Herrscher und Untertanen, aber auch an die Entartung zu Tyrannei, Gewaltherrschaft und Unterdrückung. Jesus sagt von sich selbst: «Ich bin ein König» (Joh 18, 36), aber Jesus ist kein Herrscher dieser Welt. Keiner, der Kriege anzettelt und seine Untertanen unterdrückt. Er ist der König, der jetzt schon über den Herrscher der Finsternis, über die Gewalt des Todes, in Tod und Auferstehung gesiegt hat. Aber er zwingt die Menschen nicht, in sein Reich des Friedens und der Liebe einzutreten, deshalb ist seine Krone auch heute noch die Dornenkrone. Deswegen herrschen noch Unrecht und Aggression, spielt sich ”der Herrscher dieser Welt“, der Egoismus, der Stolz und die Ungerechtigkeit, noch als der Mächtige auf. Aber seine Tage sind gezählt. Es kommt die Zeit, wo der «Fürst des Friedens» (Jes 9, 5), dem der Vater alle Herrschaft übergeben hat, das Böse endgültig vertreiben wird. Er wird das Reich, das in seinem Kommen schon begonnen hat, vollenden und die Seinen heimrufen. Dieses Reich ist die Gemeinschaft mit Gott, die in unserem Leben schon jetzt beginnt. Je mehr wir vereint sind mit diesem Gott des Friedens, je mehr versöhnt mit ihm und unseren Mitmenschen, die auch seine Kinder sind, desto mehr herrscht er schon heute in unserm Leben. So dürfen wir beitragen, daß er mehr und mehr als König herrscht.

2. Geheimnis: Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt

Vor seiner Himmelfahrt hat Jesus den Jüngern versprochen, ”alle Tage“ bei ihnen zu sein. Sie sind es, de sein Werk fortsetzten, die in seinem Namen verkünden und heilen. Den Aposteln gab der Herr auch den Auftrag, zu taufen (vgl. Mt 28, 19) und die Vollmacht, Sünden zu vergeben (vgl. Joh 20, 22f); im Abendmahlssaal vertraute er ihnen die Eucharistie an. In der Kraft des Geistes, den Christus ihnen vom Himmel her gesandt hat, tun und führen die Apostel das weiter, was Jesus begonnen hat. Im Dienst und Wirken der Apostel und deren Nachfolger erkennt der Glaube das Wirken Christi in seiner Kirche, die bis zum heutigen Tag, beseelt vom Geist Gottes, tut, was Jesus getan hat. Sie bewahrt und verkündet sein Wort im Evangelium, spendet die Sakramente und die ihr Anvertrauten, wie schon die Apostel und ihre Beauftragten die ersten Gemeinden geleitet haben. Jesus ist heute für uns gar nicht mehr greifbar ohne die Kirche, die sein Wort über 2000 Jahre hin überliefert hat. Er selbst ist es, der in der Eucharistie sich den Jüngern in die Hand gegeben hat, der dem wankelmütigen Petrus die Festigkeit eines Felsen garantiert hat. «Jesus ohne Kirche - das ist ein Jesus ohne Hand und Fuß!» (Kardinal Meisner). Oft bemerken und beklagen wir, wie sehr das Versagen von Menschen Jesu Gegenwart in der Kirche verdunkelt. Wir sollten uns aber auch fragen, ob wir bereit sind, Jesus in seiner Kirche - also auch in uns - wirken zu lassen, ob man in uns sein Bild erkennen kann. Oder sind wir nur ein trauriger Zerrspiegel?

3. Geheimnis: Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit

Die ersten Christen haben in freudiger Erwartung um das baldige Kommen des Herrn gebetet. Uns erfüllt es fast eher mit Schrecken, und wir schieben es beiseite, dieses Wiederkommen in Herrlichkeit, auch wenn wir es im Credo wie selbstverständlich bekennen. Vielleicht haben wir es uns im Diesseits schon zu bequem eingerichtet. Vielleicht möchten wir wie die Gäste des Hochzeitsmahles sagen: Ich kann jetzt noch nicht, ich habe etwas Wichtiges zu erledigen, laß mir noch ein bißchen Zeit, vielleicht morgen… Den Tag des Herrn, so wissen wir aus der Schrift, kennt niemand. Aber er ist immer drängend nah. Er nimmt keine Rücksicht auf Terminkalender. Er ruft uns zur Entscheidung, jetzt und hier, zur Entscheidung für Ihn, der unsere Zeit in seinen Händen hält. Dann verstehen wir auch, warum diese Erwartung die junge Kirche mit Freude erfüllt hat: Freude über den geliebten Herrn, der schon bald kommt. Maranatha - komm, Herr Jesus! 

4. Geheimnis: Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten

Vor allem auf mittelalterlichen Darstellungen ist sehr plastisch dargestellt, wie man sich das Gericht vorgestellt hat: In der Mitte thront Christus, der Weltenrichter, öfter neben ihm die Apostel, die die zwölf Stämme Israels richten. Die Posaune eines Enges ruft die Verstorbenen aus den Gräbern heraus, keiner kann den Ruf überhören. Wir alle werden vor Christus Rechenschaft ablegen müssen für das, was wir gedacht, getan und unterlassen haben. Wer wird sich vor ihm nicht schuldig bekennen müssen? Vergessen wir aber auch nicht, daß der, vor dem alle Menschen einmal stehen werden, ihr Herz kennt bis auf den Grund, tiefer als sich der Mensch je selbst erkennen kann. Er wird unser Richter sein, aber wir dürfen hoffen, ein barmherziger und gnädiger, weil der Gott, der die Menschen richten wird, selbst Mensch geworden ist, um sie zu erlösen, und selbst alle Schuld auf sich genommen hat. Wr könnte richten außer dem, der den Menschen alles geschenkt hat und nun fragen wird, ob sie seine Güte angenommen haben? Der Richter wird auch dem gegenüber noch barmherzig sein, der noch in seiner letzten Stunde Zuflucht zu ihm nimmt. Und vergessen wir nicht, für alle zu beten, die diesen gütigen Erlöser noch nicht kennen.

 

5. Geheimnis: Jesus, der alles vollenden wird

Das Senfkorn des Himmelreiches, das Jesus von Nazareth gepflanzt hat, das in ihm auf dieser Erde begonnen hat, schlägt Wurzeln und wächst. Mitten in der Geschichte, in all denen, die sich seinem Ruf öffnen. Am Ende der Zeit wird der Gärtner wiederkommen, um das Werk zu vollenden, um alle in das Reich seines Vaters zu rufen. Hier auf Erden bleibt alles unvollkommen, nur Gott selbst kann vollenden. Das gilt für das Leben jedes Einzelnen, dem nur Gott vollkommene Heiligkeit in der Teilhabe an seinem Leben schenken kann, wie auch für die ganze Schöpfung. Erst am Ende, wenn Christus alles vollendet hat, werden wir die Schönheit des Planes Gottes mit seiner Schöpfung voll erkennen können. Was jetzt nur anfanghaft begriffen werden kann, wird am Ende wie ein bunter Teppich sein, dessen Fäden wir heute nur einzeln wahrnehmen können, ohne die Größe des Geflechtes auch nur zu erahnen. Was jetzt sinnlos oder unverständlich oder gar entmutigend scheint, wird vielleicht einen wichtigen Platz im Ganzen einnehmen, den wir erst im Nachhinein, am Ende unseres oft dunklen Weges in Gottes Licht erkennen können.

Einleitung
freudenreich
schmerzhaft
glorreich
Immaculata
trostreich