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Gebetsschule

Beten heißt: in eine Liebesgeschichte mit Gott eintreten. Man kann nicht sagen, beten sei schwer oder leicht. Beten ist so individuell, wie du selbst einmalig und individuell bist. Darum ist es wichtig, daß du Deine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Beten machst. Hier sind einige ganz praktische Ratschläge, die dir helfen sollen, dein Leben aus der Tiefe, der Kraft und der Schönheit des Betens heraus zu gestalten:

  1. Wenn du betest, tue es regelmäßig! Wenn du nur betest, wenn du in höchster Not bist oder wenn du gerade ein schönes Gefühl hast, wirst du kein Stück vorankommen. Denn was ist das für eine Liebesbeziehung, die immer nur dann beschworen wird, wenn du gerade Liebe nötig hast? Mache dir also einen konkreten Plan mit festen Gebetszeiten (wann und wie verrichte ich mein Morgengebet?; wann, wo und wie bete ich tagsüber?; wie sieht mein Abendgebet aus?...). Wie dein Gebetsplan aussieht, mußt du ganz allein für dich entscheiden. Nur prüfe dich immer wieder, ob du wirklich regelmäßig betest.
  2. Wenn du betest, nimm dir Zeit! Gott freut sich über jedes Stoßgebet, über jeden kurzen Aufschwung deines Herzens zu ihm. Wenn du aber in echte Beziehung mit Gott kommen willst, brauchst du dafür richtig Zeit. Wichtig ist es, gerade für die regelmäßigen Gebete bewußt Zeit einzuplanen. Die Zeit, die man Gott schenkt, bekommt man zurück - so lehrt uns eine alte Erfahrung.
  3. Bete mit dem Herzen! Eine Faustregel ist: Ein Gebet, das nur mit dem Mund und nicht aus ganzem Herzen gesprochen ist, ist kein Gebet. Bewährt hat sich, sich vor dem Beten von aller Ablenkung zu befreien und gewissermaßen aus der Stille und der inneren Sammlung heraus Gott zu suchen - von Herz zu Herz. Allerdings ist ein Gebet nicht deshalb gut, weil dabei viele Gefühle und eventuell sogar Tränen mit im Spiel sind. Ein Gebet aus der Nacht des Nicht-mehr-fühlen-Könnens ist in den Augen Gottes mit Sicherheit mehr wert als die gefühligsten Stunden, in denen man Gottes Gegenwart quasi mit Händen zu greifen meinte.
  4. Wechsle immer wieder zwischen freien und vorformulierten Gebeten! Wenn das Gebet ein Gespräch mit Gott ist, dann liegt es auf der Hand, daß es kein schöneres Gebet als ein freies Gebet gibt. Dabei müssen wir aber beachten, daß wir nicht in fruchtlose Monologe verfallen, sondern uns in das tiefere Beten des Heiligen Geistes in uns einschwingen. Im Vaterunser hat Jesus uns ein Gebet gelehrt, an dem sich menschliches Beten orientieren muß. Die Bibel ist voll von richtigen Gebeten, die uns zurückholen in die wahre Sprache der Beziehung zu Gott. Das Buch der Psalmen ist voll von großen Gebeten, aus denen man sich nach Herzenslust das herausgreifen sollte, was einen anspricht. Und noch eine Erfahrung: Lerne bestimmte Gebete, die dich besonders ansprechen, auswendig! Es wird Stunden in deinem Leben geben, in denen du nicht mehr fähig bist, frei zu beten. Dann ist ein vorformuliertes Gebet eine große Hilfe.
  5. Bete alleine und bete mit anderen! «Wenn du betest, geh in dein Kämmerlein!», heißt es im Neuen Testament. Damit ist gesagt: Gib nicht an mit deinen Gebeten, rede nicht so viel davon, tu es einfach. Das Gebet ist etwas vom Persönlichsten, was ein Mensch hat: Auge in Auge mit seinem Gott allein zu sein. Wer aber immer nur für sich allein betet, dem fehlt die Weite, der ist in Gefahr, nur an sich zu denken. Auch Jesus hat gemeinsam mit seinen Jüngern gebetet. In den Gottesdiensten zeigt sich, daß die Kirche eine große Gemeinschaft des Gebetes ist, in der unter anderem auch für dich gebetet wird. Aber auch über den Gottesdienst hinaus sollen Christen versuchen, miteinander zu beten, etwa in der Familie oder im Freundeskreis. Wer aber immer nur in der Gemeinschaft betet, dem fehlt die Tiefe, der ist in der Gefahr, niemals einen Gott zu erfahren, den ihr ganz persönlich meint. Darum ist es wichtig alleine und mit anderen zusammen zu beten.
  6. Unterstütze dein Gebet durch deinen Leib! Versuche ganzheitlich zu beten - mit dem Körper, mit deinen Gefühlen, mit deinem Geist! Probiere aus, was dir hilft, tiefer zu werden.
  7. Beziehe alle Arten des Gebetes in dein Beten mit ein! Man unterscheidet drei Grundformen des Gebetes: das Lob- und Preisgebet, das Bittgebet und das Dankgebet. Das Bittgebet darf nach dem Willen Jesu durchaus sein, aber wer in einer wirklichen Beziehung mit Gott lebt, wird feststellen, wie schön es ist, Gott so zu loben, wie es in den Psalmen vorgezeichnet ist. Über das Lob Gottes bekommt man eine ganz andere, positive Lebenseinstellung. Man lernt, für alles zu danken, sogar für das Schwere und für das Leid.
  8. Bete deinen Glauben! Jeder Christ, der seinen Glauben lebt, spricht zu vielen Gelegenheiten das Glaubensbekenntnis. Es sollte aber nicht beim bloßen Dahersagen bleiben, sondern es sollte mit meinem Leben etwas zu tun haben, etwas verändern.
  9. Bete dein Leben! Bete dein Leben - lebe dein Beten! Bete dein Leben: Entdecke, daß es nichts gibt, was du Gott nicht sagen kannst. Unterbreite ihm alle deine Pläne, deine Wünsche, deine Sehnsüchte. Gott will mit deinem Leben das, was du dir zuinnerst wünschst. Er will dich unendlich glücklich machen. Darum führt er dich - manchmal auf Wegen, die du zuerst nicht verstehst. Und manchmal bewahrt er dich vor Dummheiten, die du dir heute wünschst und worüber du morgen den Kopf schütteln wirst. Lebe dein Beten: Es geht den meisten Menschen so, daß sie im Beten weiter sind als im Leben. Im Gebet fallen die großen Worte - und im wirklichen Leben geht's armselig daher! Bei den Indianern gibt es ein Sprichwort: Wirf dein Herz über den Fluß und dann - schwimm dahinter her! Also: Hab keine Angst, Gott etwas Großes zu sagen, weil du dich kennst und weißt, daß du vielleicht ein fürchterlich schwacher und inkonsequenter Mensch bist. Gott weiß auch das von dir. Aber er liebt es, wenn du im Gebet dein Herz über den Fluß wirfst! Er will nicht, daß du kleinmütig und verzagt zu ihm kommst. Er rechnet damit, daß du mit buchstäblich unendlicher Erwartung an ihn herantrittst.
  10. Bete in der Gemeinschaft der Kirche! Zur Gemeinschaft der Kirche gehören die Lebenden und die in der Gnade Gottes Verstorbenen. Wie diese Heiligen im irdischen Leben bereits für andere da waren, so denken und fühlen sie auch jetzt mit uns mit. Man kann zu den Heiligen beten, sie um ihre Fürsprache bei Gott bitten.
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