|
|
Gebetsschule
Beten heißt: in eine Liebesgeschichte
mit Gott eintreten. Man kann nicht sagen, beten sei schwer oder
leicht. Beten ist so individuell, wie du selbst einmalig und individuell
bist. Darum ist es wichtig, daß du Deine ganz eigenen Erfahrungen
mit dem Beten machst. Hier sind einige ganz praktische Ratschläge,
die dir helfen sollen, dein Leben aus der Tiefe, der Kraft und der
Schönheit des Betens heraus zu gestalten:
- Wenn du betest,
tue es regelmäßig! Wenn du nur betest, wenn du in höchster
Not bist oder wenn du gerade ein schönes Gefühl hast, wirst
du kein Stück vorankommen. Denn was ist das für eine Liebesbeziehung,
die immer nur dann beschworen wird, wenn du gerade Liebe nötig
hast? Mache dir also einen konkreten Plan mit festen Gebetszeiten
(wann und wie verrichte ich mein Morgengebet?; wann, wo und wie
bete ich tagsüber?; wie sieht mein Abendgebet aus?...). Wie dein
Gebetsplan aussieht, mußt du ganz allein für dich entscheiden.
Nur prüfe dich immer wieder, ob du wirklich regelmäßig
betest.
- Wenn du betest,
nimm dir Zeit! Gott freut sich über jedes Stoßgebet,
über jeden kurzen Aufschwung deines Herzens zu ihm. Wenn du aber
in echte Beziehung mit Gott kommen willst, brauchst du dafür
richtig Zeit. Wichtig ist es, gerade für die regelmäßigen
Gebete bewußt Zeit einzuplanen. Die Zeit, die man Gott
schenkt, bekommt man zurück - so lehrt uns eine alte Erfahrung.
- Bete mit
dem Herzen! Eine Faustregel ist: Ein Gebet, das nur mit dem Mund
und nicht aus ganzem Herzen gesprochen ist, ist kein Gebet. Bewährt
hat sich, sich vor dem Beten von aller Ablenkung zu befreien
und gewissermaßen aus der Stille und der inneren Sammlung heraus
Gott zu suchen - von Herz zu Herz. Allerdings ist ein Gebet nicht deshalb
gut, weil dabei viele Gefühle und eventuell sogar Tränen mit
im Spiel sind. Ein Gebet aus der Nacht des Nicht-mehr-fühlen-Könnens
ist in den Augen Gottes mit Sicherheit mehr wert als die gefühligsten
Stunden, in denen man Gottes Gegenwart quasi mit Händen zu greifen
meinte.
- Wechsle immer
wieder zwischen freien und vorformulierten Gebeten! Wenn das Gebet
ein Gespräch mit Gott ist, dann liegt es auf der Hand, daß
es kein schöneres Gebet als ein freies Gebet gibt. Dabei
müssen wir aber beachten, daß wir nicht in fruchtlose
Monologe verfallen, sondern uns in das tiefere Beten des
Heiligen Geistes in uns einschwingen. Im Vaterunser hat Jesus
uns ein Gebet gelehrt, an dem sich menschliches Beten orientieren muß.
Die Bibel ist voll von richtigen Gebeten, die uns zurückholen
in die wahre Sprache der Beziehung zu Gott. Das Buch der Psalmen
ist voll von großen Gebeten, aus denen man sich nach Herzenslust
das herausgreifen sollte, was einen anspricht. Und noch eine Erfahrung:
Lerne bestimmte Gebete, die dich besonders ansprechen, auswendig!
Es wird Stunden in deinem Leben geben, in denen du nicht mehr fähig
bist, frei zu beten. Dann ist ein vorformuliertes Gebet eine große
Hilfe.
- Bete alleine
und bete mit anderen! «Wenn du betest, geh in dein Kämmerlein!»,
heißt es im Neuen Testament. Damit ist gesagt: Gib nicht an mit
deinen Gebeten, rede nicht so viel davon, tu es einfach. Das Gebet ist
etwas vom Persönlichsten, was ein Mensch hat: Auge in Auge
mit seinem Gott allein zu sein. Wer aber immer nur für sich allein
betet, dem fehlt die Weite, der ist in Gefahr, nur an sich zu denken.
Auch Jesus hat gemeinsam mit seinen Jüngern gebetet. In den Gottesdiensten
zeigt sich, daß die Kirche eine große Gemeinschaft des
Gebetes ist, in der unter anderem auch für dich gebetet wird.
Aber auch über den Gottesdienst hinaus sollen Christen versuchen,
miteinander zu beten, etwa in der Familie oder im Freundeskreis.
Wer aber immer nur in der Gemeinschaft betet, dem fehlt die Tiefe, der
ist in der Gefahr, niemals einen Gott zu erfahren, den ihr ganz persönlich
meint. Darum ist es wichtig alleine und mit anderen zusammen zu beten.
- Unterstütze
dein Gebet durch deinen Leib! Versuche ganzheitlich zu beten - mit
dem Körper, mit deinen Gefühlen, mit deinem Geist! Probiere
aus, was dir hilft, tiefer zu werden.
- Beziehe alle
Arten des Gebetes in dein Beten mit ein! Man unterscheidet drei
Grundformen des Gebetes: das Lob- und Preisgebet, das Bittgebet
und das Dankgebet. Das Bittgebet darf nach dem Willen Jesu durchaus
sein, aber wer in einer wirklichen Beziehung mit Gott lebt, wird feststellen,
wie schön es ist, Gott so zu loben, wie es in den Psalmen vorgezeichnet
ist. Über das Lob Gottes bekommt man eine ganz andere, positive
Lebenseinstellung. Man lernt, für alles zu danken, sogar für
das Schwere und für das Leid.
- Bete deinen
Glauben! Jeder Christ, der seinen Glauben lebt, spricht zu vielen
Gelegenheiten das Glaubensbekenntnis. Es sollte aber nicht beim
bloßen Dahersagen bleiben, sondern es sollte mit meinem Leben
etwas zu tun haben, etwas verändern.
- Bete dein
Leben! Bete dein Leben - lebe dein Beten! Bete dein Leben: Entdecke,
daß es nichts gibt, was du Gott nicht sagen kannst. Unterbreite
ihm alle deine Pläne, deine Wünsche, deine Sehnsüchte.
Gott will mit deinem Leben das, was du dir zuinnerst wünschst.
Er will dich unendlich glücklich machen. Darum führt er dich
- manchmal auf Wegen, die du zuerst nicht verstehst. Und manchmal
bewahrt er dich vor Dummheiten, die du dir heute wünschst und worüber
du morgen den Kopf schütteln wirst. Lebe dein Beten: Es
geht den meisten Menschen so, daß sie im Beten weiter sind als
im Leben. Im Gebet fallen die großen Worte - und im wirklichen
Leben geht's armselig daher! Bei den Indianern gibt es ein Sprichwort:
Wirf dein Herz über den Fluß und dann - schwimm dahinter
her! Also: Hab keine Angst, Gott etwas Großes zu sagen, weil
du dich kennst und weißt, daß du vielleicht ein fürchterlich
schwacher und inkonsequenter Mensch bist. Gott weiß auch das von
dir. Aber er liebt es, wenn du im Gebet dein Herz über den Fluß
wirfst! Er will nicht, daß du kleinmütig und verzagt
zu ihm kommst. Er rechnet damit, daß du mit buchstäblich
unendlicher Erwartung an ihn herantrittst.
- Bete in der
Gemeinschaft der Kirche! Zur Gemeinschaft der Kirche gehören
die Lebenden und die in der Gnade Gottes Verstorbenen.
Wie diese Heiligen im irdischen Leben bereits für andere da waren,
so denken und fühlen sie auch jetzt mit uns mit. Man kann zu den
Heiligen beten, sie um ihre Fürsprache bei Gott bitten.
|
|